Zwei Hände und ein Füller goes to HOLLYWOOD
Im Rahmen einer Autorenlesung besucht "Weltreisende der deutschen Literatur", der berühmte Schriftsteller MATTHIAS POLITYCKI die "Fernweh"-Stadt Hof. Eine Stadt, so Klaus Beer, in der man das Fernweh braucht, um überleben zu können. Einmal wegen der Kälte ein halbes Jahr hier und dann auch wegen der Mauer in so manchen Köpfen der Hofer, die leider auch nach dem Grenzfall immer noch da ist. Alles Neue wird meist erst einmal grundsätzlich abgelehnt. "Kenna ma net, woll ma net.." Unerträglich für den Kosmopolit Klaus Beer, dessen Antennen sich sofort aufstellen, wenn er etwas Aussergewöhnliches, Innovatives erfährt. Beer augenzwinkernd: "Auch ich bin gebürtiger Hofer, aber ich muß irgendwelche andere Gene in mir haben, die mir wahrscheinlich von irgendwelchen Palmen ferner Fernwehinseln zugeflogen sind..."
Sonntagnachmittag, 16.45 Uhr. Soeben per Bahn (Politycki: "Ich habe bis der Akku leer war von Hamburg bis Würzberg im Zug geschrieben) in Hof angekommen, geht es im Fernwehpark Star-Mobil sofort in den Fernwehpark, denn dort soll seine Aufnahme in die "Signs of Fame" des multikulturellen und völkerverbindenden Friedensprojekts stattfinden.
Nach der Signierung seines STAR-SCHILDES folgt sogleich die nächste Aktion, die Handabdrücke alà Hollywood. Denn es ist kalt heute, sehr kalt, an diesem grauen, nebelverhangenen Märztag, an dem man froh sein kann, daß nicht auch noch ein paar hartnäckige Schneeflocken gen Erde schweben.
Wie immer erklärt Fernwehpark Initiator Klaus Beer zuerst was zu tun ist, um möglichst plastische Handabdrücke zu erzielen: "Zuerst beide Hände mit gespreizten Fingern leicht über der Tonoberfläche anlegen, um ein Gefühl für den Abstand zu erhalten."
Der berühmte Schriftsteller praktiziert das schon mal für die Fotografen.
"Und dann am besten mit der linken Hand beginnend, einfach hinein in die graue Masse", erklärt Klaus Beer weiter.
"Wenn der Ton die Körperwärme angenommen hat, gleiten die Finger fast wie von selbst hinein in den Ton", animiert Klaus und gibt zu, daß es heute sicher etwas mühevoller werden wird, da die Masse sehr kalt ist.
Und dann mit viel "Action" - damit sich auch die Handballen in den Ton eindrücken, ein Spezialton, den der Hofer Töpferladen für die Star-Handabdrücke entwickelt hat - nach Geheimrezeptur versteht sich.
Und dann das Ganze umgekehrt mit der anderen Hand.
Trotz der Kälte und der praxiserprobten Tatsache, daß dadurch es manchmal etwas schwierig ist, in die Masse zu kommen, ist Klaus Beer erstaunt, wie leicht es heute trotzdem geht. "Sie haben Glück, Sie haben eine besonders gute Konsistenz erwischt, denn einmal ist der Ton etwas fester, dann wieder weich, das wechselt und ich habe darauf leider keinen Einfluß. Wenn dann eine zarte Damen-Promihand mal einen etwas festeren Ton bekommt, dann dürfen die Stars nicht zimperlich sein oder gar zicken", erzählt Klaus Beer, nach 200 Handabdrücken von Stars zu unterschiedlichen Jahreszeiten, Begebenheiten, Hallen, im Freien und unter gleißender TV-Scheinwerfern erprobt, aus der Praxis plaudernd.
Was folgt ist die nun wichtigste Pose des Shootings: Das Friedenszeichen. Denn mit ihren Handabdrücken alá Hollywood werden die Prominenten nicht nur geehrt für ihre Erfolge in den Genres Musik, Film, TV, Bühne, Sport oder wie heute der Schriftstellerei, sondern heben damit symbolisch die Hand für den Frieden in der Welt. Und da macht der berühmte Schriftsteller natürlich auch gerne mit.
Und sagt: "Ich hebe nicht nur die Hand, sondern mache auch gleich mal das Friedenszeichen." Denn auch Politycki hat die Schönheiten der Welt gesehen und unterstützt gerne die Friedensbemühungen des Hofer Weltenbummlers.
Beer: "Ich spreche nicht aus der Theorie. Nach über 30 Jahren Reisen mit der Kamera in der Welt weiß ich, wie schön unser Blauer Planet ist und wie bescheuert der Mensch, der mit Terror und Krieg Unschuldige mit in den Tod reißt. Und alle hätten doch genügend Platz auf unserer Erde, um in Frieden miteinander zu leben, würde nicht die Gier nach immer mehr Geld, sprich Öl in einem speziellen Fall, und Machtgeilheit sowie religiöser Fanatismus soviel Leid bringen. Ich möchte deshalb mit dem Fernwehpark zum Nachdenken, Umdenken aufrufen. Denn unter den Schildern aus aller Welt sollen Menschen aller Welt ein Zeichen setzen für eine menschlichere, friedvollere Welt, egal welcher Hautfarbe, Religion oder politischer Weltanschauung. Und wenn viele prominente Persönlichkeiten mit ihrem bekannten Namen da mitmachen, ist das nicht ein Kampf gegen Windmühlenflügel, dann kann unsere Botschaft um die ganze Welt gehen..."
"For a peaceful World" - wie auch auf dem signierten Star-Schild zu lesen ist.
Jetzt müssen die Handabdrücke nur noch signiert werden. Dazu ritzt Matthias Politycki seinen Namenszug in den Ton.
Und dieser ist, wie schon bei der Star-Schild Signierung gesehen, ein ganz Besonderer. Er schreibt dazu nicht seinen Namen mit Vornamen aus. Politycki: "Ich signiere immer nur mit den beiden Anfangsbuchstaben in einem Kreis und schreibe das Datum dazu."
Und so sehen die Handabdrücke des 1. Schriftstellers im "Signs of Fame" aus!
Sind sie nicht schön geworden? Matthias Politycki und Klaus Beer sind begeistert. Plastisch zeichnen sich die Handabdrücke im Ton ab. HOLLYWOOD in HOF.
Der Füller im Ton
Nach der Aktion muß sich erstmal aufgewärmt werden. Da leider das geplante FERNWEH Star-Museum-Cafe gegenüber des Fernwehparks noch nicht steht, muß auf andere Lokalitäten ausgewichen werden, in denen die Presse danach noch ein über eineinhalb Stunden langes Interview führt und man dann anschließend bei einem guten Italiener noch lange gemütlich beisammen sitzt.
Während man sich dabei über das Thema Reisen natürlich und die Schriftstellerei unterhält kommt Matthias Politycki eine Idee. Nachdem Klaus Beer erzählt hat, daß sich zum Beispiel einige Stars nicht mit beiden Händen, sondern die Boxlegende Henry Maske mit einer Hand und einer Faust und Fußball-Nationalspieler Philipp Lahm mit "Hand und Fußballschuh" im Ton verewigte, meint Politycki: "Um dem Thema Schriftstellerei gerecht zu werden, müsste ich da ja auch meinen Füller hineindrücken..."
Klaus Beer ist begeistert, holt schnell nocheinmal die Tonschale hervor und los geht's. Die anderen Gäste im Lokal trauen ihren Augen nicht, was sich da jetzt am Nebentisch abspielt.
"Hoffentlich bringe ich den Füller dann wieder heraus", sagt der Schriftsteller, mit dem muß ich morgen ja noch signieren."
Eine Klasse Idee von Matthias Politycki. Die Tontafel ist ein echtes Unikat, "Prädikat wertvoll", geworden.
Da Klaus Beer wie Matthias Politycki gerne schreibt, genauso gerne wie er filmt, hat er ihm seinen Bildband "Route 66 - Die Legende lebt" mitgebracht, in dem er sein ganzes Herzblut hineingelegt hat." Nach dem ersten Durchblättern sagt Politycki. "Das ist aber kein reiner Bildband, das ist ein Text-Bild-Band". "So ist es", erwidert Klaus, "und ein Text-Bild-Film-Band dazu, denn hinten ist unser Original Vortragsfilm über die Route 66 als DVD eingehefet. "Denn was der Film in der Schnelligkeit der laufenden Bilder an Text nicht bringen kann, das arbeitet das Buch dazu bestens auf, eine ideale Kombination, die der Verlag terra magica zum 75. Geburtstag der Kultstraße Amerikas da herausgebracht hat. Übrigens, zu Film und Buch gibt es auch noch eine Fotoausstellung, so daß ich das Thema "Route 66" sogar in dreifacher Weise aufarbeiten konnte. Klar, daß das mein Lieblingsthema über mein Lieblingsreiseland Amerika ist."
Matthias Politycki ist da einem echten Freak begegnet, einem, den das Fernweh beutelt von früh bis spät und für den das Thema Reise sogar Droge ist. Ein wenig kann er es schon nachvollziehen, denn er nennt sich auch als "einen vom Fernweh-Getriebenen", wie er sich der Presse gegenüber selbst bezeichnet. Nur mit dem Unterschied, daß er auf Reisen nicht fotografiert. Dies könnte sich wiederum Klaus Beer nicht vorstellen. "Würde man mir die Film- oder Fotokamera wegnehmen, würde ich sofort das nächste Flugzeug besteigen und nach Hause fliegen. Oder mir einen Schal um den Kopf wickeln, damit ich alle die tollen Dinge gar nicht mehr sehe. Denn sehen und nicht im Bild festhalten, das könnte ich nicht ertragen."
Nach ein paar Tagen des Lufttrocknens werden die Tontafeln vom Hofer Töpferladen steinhart gebrannt. Zu sehen sein sollen sie einmal im FERNWEH Star-Museum, das gegenüber des Fernwehparks geplant ist. Dort werden sie unter Glas gerahmt mit entsprechender Beleuchtung präsentiert, in deren Licht-Schatten Wirkung die Handabdrücke besonders plastisch zum Ausdruck kommen. Ein Hauch von HOLLYWOOD in HOF, aber insbesonders, ein Handzeichen für den Frieden in der Welt.