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Kalifornien - Westcoast Feeling am Ostsee-Beach

Multikultureller geht's wirklich nicht. Der "Beach Boy" - Strandwärter ist ein Sachse und lernt gerade Plattdeutsch. Und Kalifornien liegt gerade 200 Meter von Brasilien entfernt. Wenn das nicht zweifacher Grund ist, im Fernwehpark Deutschland "Signs of Fame" und dazu nochmals in der Sparte "Besondere deutsche Ortsnamen" vertreten zu sein?

Klaus Beer mit dem Schild von Kalifornien

Schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ist das Ortsschild von Kalifornien geklaut worden, sagt Friedrich Henning, Kurdirektor von Kalifornien. Jede Saison muß er mehrmals den Bautrupp der Gemeinde anfordern und ein neues Schild aufstellen lassen. Jetzt erhielt er einen Anruf von Fernwehpark Initiator Klaus Beer: "Wollen Sie, dass KALIFORNIEN endlich einmal eine Bleibe findet, in der es ordnungsgemäß seines normalen Standorts entfremdet im Mittelpunkt der Medien und Besuchern aus aller Welt steht". Friedrich Hennig hat Weitblick, erkennt sofort den hohen Werbeeffekt für seinen Kurort und sagt sofort zu.

Binnen weniger Tage trifft das Ortsschild in der "Fernwehstadt" Hof ein. Die Metalltafel an der Zubringerstraße mit den magischen elf schwarzen Buchstaben "Kalifornien" ist seit Jahren Rekordhalter: Schleswig-Holsteins meistfotografiertes und zugleich meistgeklautes Ortsschild. KALIFORNIEN ist etwa 60 Einwohner stark und wächst im Sommer auf das zwanzigfache der Bevölkerungszahl an - und obendrein sind es von dort bis nach Brasilien nur ein paar Schritte: Zwei winzige Ferienorte an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste, zur Gemeinde Schönberg gehörend. Knapp 100 Kilometer sind es bis Hamburg, etwa 170 bis zur dänischen Grenze. Vom Ortsschild bis zu den Wellen der Ostsee misst Kalifornien in der Breite etwa 200 Schritte. In der Länge bringt es das Örtchen auf zweieinhalb Küstenkilometer - gesäumt von Ferienhäusern, von ein paar Gaststätten und mehreren kleinen Hotels. Auch ein paar Surfbrettverleiher gibt es hier - während BRASILIEN kaum mehr als eine Handvoll Häuser groß ist.

Klaus Beer mit dem Schild von Brasilien

Klar, dass auch "Brasilien" in der Sammlung der außergewöhnlichen Ortsnamen nicht fehlen darf. Vermittelt es doch ebenfalls zwei grundlegende Komponenten des Projekts: "Fernweh" und Originalität für die kuriose Ortsnamenssammlung des Parks.
Dieter Winkler ist ehrenamtlich stellvertretender Bürgermeister der Gesamtgemeinde und hat seinen Wohnsitz in Kalifornien. Obwohl er nie im "gelobten Land" Kalifornien in den USA war, sind ihm sämtliche Poststempel von der US-Westküste vertraut. Unter seinen Briefen befinden sich regelmäßig Irrläufer, die aus Versehen den weiten Weg über den Atlantik nahmen, ehe sie endlich stempelübersät im eigentlichen Bestimmungsort landen: Kalifornien/Holstein. Eigentlich könnten die beiden Orte tüchtig mit den Attributen der beiden Namen werben. Doch statt Surfbrettern, Westcoast-Music, Beach Boys Ohrwürmern oder einem Samba-Festival alá Rio gibt es hier nur Wattenwürmer, urige nordische Kneipen und ein Hotel namens "Seestern".

Klaus Beer mit beiden Schildern

Doch wie entstand der Name "Kalifornien" am Ostseestrand? Ein Fischer vom Selenter See im Hinterland hat der Legende nach Mitte des 18. Jahrhunderts begonnen, an diesem noch menschenleeren Küstenabschnitt auf Fangfahrt zu gehen, hat sich eine Hütte am Strand gebaut und, so die Sage, eine Planke mit dem Namen eines gestrandeten spanischen Schiffs über die Tür genagelt. "California" stand dort fortan zu lesen.
Der Bruder dieses Ur-Kaliforniers wollte dahinter nicht zurückstecken und mindestens so exotisch hausen: Er pinselte "BRASILIEN" über die Tür seiner Fischerhütte. Erstmals auf Landkarten tauchte der Name "Kalifornien" 1872 auf, "Brasilien" zog ein Jahr später nach. Im Juli/August können die Orte ihren US-und Südamerika Namensvettern fast schon das Wasser reichen: Skater wie in Venice Beach/L.A. rauschen über den Asphalt der Deichpromenade, Surfer reiten die Brandung aus, Segler ziehen ihre Bahnen, und am Strand tummeln sich Sonnenhungrige wie in San Diego oder Rio de Janeiro.

Zwei Strandwärter sorgen dann für Ordnung. Von den Kaliforniern werden sie "Beach Boys" genannt. Sie sind aus Sachsen. Damit sie von den Badegästen auch verstanden werden, lernen sie Plattdeutsch. Ein multikulturelles Netz - ein Verwirrspiel von Fernwehbildern und norddeutschen Attributen. Ein Fall für den Fernwehpark in der oberfränkischen "Fernwehstadt" Hof.

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